Liebe Leserinnen, liebe Leser

„Morgen ist Neumond; da wird man dich Lefersvermissen, wenn dein Platz leer bleibt.“ Das sagt in der Bibel Jonathan zu seinem geliebten Freund David. Die beiden nehmen Abschied. Was Jonathan meint: ICH werde dich vermissen, weil du morgen nicht da sein wirst. Und es ist kein Zufall, dass das ausgerechnet am Neumond ist. Der Platz am Nachthimmel bleibt leer. Wo es sonst hell leuchtet, ist es jetzt nur dunkel. Mir geht das Bild nahe. Es erinnert mich daran, wie sich Abschiede anfühlen. Dein Platz bleibt leer, weil du eine Reise machst. Es sind nur ein paar Tage. Aber schon merke ich, dass mir etwas fehlst. Du fehlst mir. Der Platz bleibt leer, weil du umgezogen bist. In eine andere Stadt. Wegen der Arbeit. Und auch wenn ich mich für dich freue, dass du es gut getroffen hast in deinem neuen Beruf, spüre ich etwas anderes. Ich vermisse die lustigen Abende mit dir. Und ja, dein Platz bleibt leer. Weil du gestorben bist. Wo bist du? Ich gehe zum Grab, ab und zu. Ich sehe den Stein, rupfe einige verblühte Blümchen raus. Und nach all der Zeit tut es immer noch weh.
Aber das ist nicht alles. Der Mond geht wieder auf. Ein dünner, sichelförmiger Himmelsschein zunächst. Und dann in einer Nacht, liege ich unruhig im Bett. Wieso schlafe ich nicht? Ich ziehe die Jalousie hoch und sehe, wie der Mond rund und voll leuchtet. Da bist du ja wieder, denke ich. Und ich schlafe jetzt ruhiger. Jesus Christus sagt: „Siehe, ich mache alles neu.“ Die Sonne strahlt den Mond an und lässt ihn hell leuchten. Die Finsternis der Nacht muss einem majestätischen Licht weichen, das alles ruhig und wie eingefroren wirken lässt. Der Moment steht still. Ein Moment Ewigkeit. Der Mond strahlt nicht von selbst. Und ich erinnere mich an dich. Ja, du fehlst. Aber ich weiß wohl auch, dass du nicht verloren bist. Und auch wenn du nicht selbst strahlen kannst, wenn ich dich auch jetzt nicht sehe, so weiß ich, dass Gott dich anleuchtet. Dich hell macht. Ewig.
Ich wache auf. Die Sonne geht auf. Alles wird wieder hell und warm. Es ist das echte Licht. Keine Reflexion. Gott, du strahlst mich an. Und der Abschied? Der bleibt. Aber das ist nicht alles. Aber er wird nicht das Letzte sein zwischen dir und mir. Die Hoffnung leuchtet. Manchmal wie ein dünner sichelförmiger Himmelsschein in der Nacht. Und dann hell und warm wie die Sonne am Tag.
Siehe, sagt Jesus dir und mir, ich mache alles neu.
Amen
Ihr Pastor
Matthias Lefers